„Kein Anlass zur Sorge“ – der gefährlichste Satz im Umgang mit Warnsignalen unter Jugendlichen. Wer Verschweigen, Beschwichtigung mit Aufklärung verwechselt, riskiert nicht den Ruf einer Schule. Er riskiert die Sicherheit von Kindern.

Es gibt einen Satz, der in den vergangenen Jahren zur Reflexbewegung geworden ist, sobald an einer Schule etwas Ernstes passiert: „Es besteht kein Anlass zur Sorge.“ Manchmal stimmt er. Oft ist er nichts weiter als die schnellste Art, ein Problem verschwinden zu lassen, bevor es überhaupt jemand ernsthaft angeschaut hat.

#Bayern #Schule #Jugendgewalt #Kinderschutz

Das Muster der Verharmlosung

Wenn Eltern etwas Beunruhigendes berichten und Schulleitungen oder Behörden mit einem Dementi antworten, ist der Kampf um die Deutungshoheit von Anfang an unfair verteilt. Die Behörde hat die Pressestelle, die geschliffene Sprache, das Gewicht des Amtes. Eltern haben nur, was sie selbst gesehen oder von ihrem Kind gehört haben und sie haben Angst. Angst um ihre Kinder und Angst nicht ernst genommen zu werden. Im Zweifel gewinnt die offizielle Version. Nicht, weil sie wahrer ist. Sondern weil sie lauter und geordneter vorgetragen wird.

Das heißt nicht, dass jede Sorge automatisch zutrifft. Aber es heißt sehr wohl: Eine Institution, die zuerst beruhigt und erst danach, wenn überhaupt, prüft, hat die falsche Reihenfolge gewählt. Und immer mehr Eltern spüren genau das: dass echte Aufklärung durch geübte Beschwichtigung ersetzt wird, weil ein Vorfall an der eigenen Schule schlicht nicht ins Bild passen soll.

Die Frage nach der Dunkelziffer

Wenn schon ein einzelner Vorfall an einer kleinen Schule genügt, um Polizei anrücken und Eltern verzweifeln zu lassen, wie viel bleibt dann an den großen Schulen für immer unter der Oberfläche? Es gibt keine verlässliche Zahl darüber, wie viele Drohungen, wie viel Ausgrenzung, wie viele eskalierende Konflikte unter Jugendlichen niemals über die Schulmauern hinausdringen. Es gibt keine Zahlen wie stark das Mobbing und Gewalt in den Schulen zugenommen haben. Genau das ist die eigentlich erschreckende Erkenntnis: Nicht der einzelne Vorfall ist das Problem. Das Problem ist ein System, das bei Gewalt oder Gewaltandrohungen von ausländischen Kindern und Jugendlichen lieber schweigt, als hinzusehen. Das Wegsehen mit dem Wort „Einzelfall“ tarnt, bis aus vielen Einzelfällen ein Muster wird, das keiner mehr leugnen kann. Auch in Bayern.

Was auf dem Spiel steht

„Flüchtlingskinder“, die anfangen, Feindbilder in Listen zu fassen, ob aus Wut, aus Verzweiflung oder, wie es dann gerne heißt, „nur zum Spaß“, senden ein Signal, das kein Erwachsener ignorieren darf. Genau das ist der Punkt: Es ist egal, ob es „nur“ ein Scherz war. Ein Kind, das so einen Scherz überhaupt für witzig hält, lebt in einem Umfeld, das bereits etwas Entscheidendes, den Respekt gegenüber Mitmenschen, verloren hat. Wer diese Signale kleinredet, weil eine ernsthafte Antwort unbequemer ist als ein Dementi, riskiert nicht die Reputation einer Schule. Er riskiert die Sicherheit von Kindern, auch in Bayern.

Was es jetzt braucht

Eine ehrliche Antwort auf Warnsignale beginnt nicht mit der Frage, wie ein Vorfall am leisesten verschwindet, sondern wie er am gründlichsten und auch für alle Beteiligten aufgeklärt wird. Es braucht verpflichtende, transparente Meldewege. Unabhängig davon, wie klein oder unbedeutend eine Schule erscheint. Es braucht eine Kultur, in der ein besorgter Elternanruf als Frühwarnsystem gilt, nicht als Störung des geordneten Schulalltags. Und es braucht den Mut, öffentlich zu sagen: „Wir wissen es noch nicht, aber wir klären es auf“. Aber wie oft haben wir diesen Satz, oder ein aalglattes „kein Anlass zur Sorge“ in den letzten 10 Jahren schon gehört und dann kam nichts mehr.

Wer heute wegsieht, wird morgen erklären müssen, warum. Und wir Freie Bayern werden das Bayerische Kultusministerium fragen, was mit unseren Kindern passiert ist und warum diese Entwicklung nicht rechtzeitig gestoppt wurde. Genau deshalb dürfen wir nicht länger zulassen, dass Aufklärung und Gegenmaßnahmen durch Abwiegeln ersetzt wird. Nicht bei diesem Thema. Nicht bei unseren Kindern. Nicht in Bayern.

Was auf die Gesellschaft zukommt, wenn wir wegsehen

Wenn sich solche Vorfälle häufen und alles spricht dafür, dann ist das kein pädagogisches Randproblem mehr, sondern eine gesellschaftliche Frage. Kinder, die Feindbilder in Listen fassen, tun das nicht im luftleeren Raum. Sie tragen etwas nach außen, das vorher längst in ihnen, in ihren Familien oder ihrem Umfeld gewachsen ist. Wir haben ein Weltbild in unser Bayern gelassen, in dem Gewalt eine Antwort ist. Wer das ignoriert oder leugnet, riskiert, dass aus vereinzelten Warnsignalen irgendwann reale Taten werden. Auch in Bayern.

Und die Antwort darauf kann keine sein, die sich in einem ermahnenden Elterngespräch erschöpft. „Das macht man nicht“ ist keine Intervention, es ist eine Beruhigungsformel für Erwachsene, die feige das Thema schnell hinter sich lassen wollen. Ein Kind, das eine Todesliste erstellt, ob aus Wut, aus einer Krise heraus oder mit einer Gleichgültigkeit, die selbst beunruhigt, braucht mehr als eine Ermahnung. Es braucht mindestens eine ernsthafte psychologische Abklärung, für das Kind wie für die Familie, in der es aufwächst. Und es stellt sich die Frage, ob solche Kinder und Familien überhaupt in unsere Gesellschaft passen?

Wer hier verschweigt, oder nur beschwichtig und verwaltet statt handelt, verschiebt das Problem nur in die Zukunft, wo es größer wieder auftaucht. Auch in Bayern.

 

Verfasser: Bavarian

Bild: Pixabay

 

Von Bavarian